Dienstag, 3. September 2013

Vielen Dank

Ich werde mich aus diesem Blog verabschieden. Aber natürlich nicht, ohne "Danke" zu sagen.

Danke all denen, die die langen Wochen der AFG-Einsatzzeit an unserer Seite verbracht haben. Die mitgelesen und mitgelitten haben. Die sich mit uns gefreut haben. Die mit uns gehibbelt haben. 

Danke all denen, die fleißig ihre Kommentare geschrieben haben. Eure Anteilnahme hat mir so viel bedeutet. Und ich bin ganz ehrlich: Es hat mir unheimlich geholfen, zu wissen, dass dort draußen jemand ist, der sich für unsere Geschichte interessiert. Der an uns denkt. Der bei uns ist. Vielen, vielen Dank. 

Ein bisschen wehmütig nehme ich Abschied. Aber ich hoffe, viele von euch in meinem Abenteuerland begrüßen zu dürfen. Es geht weiter - nur eben nicht hier. 

Eure Jenne :*

Donnerstag, 29. August 2013

Wir ziehen um

Der Einsatz ist vorbei. Der Mann ist wieder unversehrt und gesund zurück, und wir sind endlich wieder eine Familie. 

Ein neues Lebensjahr hat für mich begonnen. Und ein neuer Abschnitt unseres wiedergefundenen Familienlebens. So nahm es in meinen Gedanken langsam Gestalt an. Jedes Ende ist auch ein kleiner (Neu-)Anfang. 

Das Einsatz-Tagebuch ist geschrieben. Der Deckel klappt allmählich zu. Afghanistan wird in unserem Leben wohl keine Rolle mehr spielen. 

Dennoch mag ich nicht loslassen und möchte euch weiter teilhaben lassen an unserem Leben als (Soldaten-) Familie. 

Besucht uns auf abenteuerlandgeschichten.blogspot.de und taucht ein in unsere Welt, ohne Einsatzschatten diesmal. ;)  

Dienstag, 27. August 2013

Seit gestern

... hat er uns also wieder - der Alltag. Der Mann ist wieder in die Kaserne gefahren, 4 lange Wochen Urlaub sind nun vorbei. 

Doch gestern Abend, als er wieder nach Hause kam, mit Hupe die Auffahrt hochgefahren ist, sind die Mädels schier ausgeflippt, dass Papa abends wiederkommt! Sie hatten wohl ein bisschen Angst ... die lange (Einsatz-)Abwesenheit steckt ihnen wohl noch in den Knochen. 

Und wird so schnell auch nicht vergehen, denn: Die ersten Lehrgänge sind schon im Gespräch, die nächsten Wochen wohl schon verplant, und ich darf wieder als Strohwitwe mein Dasein fristen. Wahrscheinlich. Nichts genaues weiß man nicht. Hmpf. 

Freitag, 23. August 2013

Es tat auch gar nicht weh

... der Rutsch in den Club der Ü30er. Oder eben 30er. Auf alle Fälle kein Twen mehr.

Vom Trotzköpfchen habe ich morgens am Bett ein Geburtstagsständchen bekommen, ein selbstgebasteltes Bild drückte sie mir gleich mit in die Hand, diverse Bildbeschreibungen dazu. Die Frechdächsin kam mir schließlich auch entgegen gelaufen mit "Maaamaaaa, Bild malt hab ich! Hier bitte." Hach, süß. 

Im Kindergarten wurde gleich rumerzählt, dass Mama Geburtstag hat, und schon gratulierten mir die Erzieherinnen und etliche Mütter. Und als ich die Große wieder abholte, klärte sie mich auf: "Mama, den Geburtstagsthron kannst du leider nicht haben, da bleibst du mit deinem Popo stecken. Der ist nur für uns Kinder im Kindergarten." Aha, danke. "Ich hab dir aber eine Geburtagskrone gebastelt, die musst du den ganzen Tag auf dem Kopf behalten. Du hast ja heute Geburtstag." Und eine dicke, runde 30 hatte sie auch darauf gemalt. Danke, Kind. ;)

Dienstag, 20. August 2013

Das letzte Mal

... steht die knackige 2 noch vorne. Der letzte Abend als faltenfreier, fitter und jugendlicher Twen! Knackig und jung. Dann soll es auch für mich in den Club der 30er gehen. Und körperlich steil bergab. Hmmpf. 30. DREIßIG! Eine runde, dicke 30! Steinalt würde das Trotzköpfchen sagen. Aber mit 4 ist schließlich alles steinalt, was älter als 10 ist. Und steinalt fühle ich mich überhaupt noch nicht, eher jugendlich beschwingt, aber das mag an anderen Umständen liegen ;)

Auf alle Fälle lassen wir es morgen erstmal ruhig angehen. Und ich lass mich überraschen, was der morgige Tag UND das neue Lebensjahr für mich bereit halten. Ich freu mich drauf! 

Montag, 12. August 2013

Manchmal

... glaube ich es noch gar nicht. Ich betrachte ihn und denke, er ist wieder da! Tatsächlich!

Es ist so schön! So selbstverständlich, als wäre er nie fort gewesen.


Donnerstag, 8. August 2013

Der Mama-Moment

Die letzte Woche war er häufiger da - der Mama-Moment. Ein Moment, in dem einem die Tränen kommen, weil man sich so sehr für sein Kind freut. Weil man emotional ergriffen ist vom Verhalten des Kindes. 

Das Trotzköpfchen zum Beispiel. Am ersten Morgen nachdem Papa wieder zuhause war, kam sie vorsichtig ins Schlafzimmer (ich war schon wach) und blickte auf das Ehebett. Unentschlossen stand sie in der Tür. Schließlich trat sie an mein Bett und weckte mich leise. Ich flüsterte ihr ins Ohr: "Papa kannst du auch wecken." Und ihr seliges Grinsen in diesem Moment ließen mir die Tränen in die Augen steigen. 

Diese Momente, in denen sie selig vor sich hingrinst, wenn sie feststellt, dass Papa über Nacht nicht wieder weggefahren ist, dass er immer noch zuhause ist, dass er wiederkommt, wenn er zum Beispiel gerade Getränke holen war, das sind meine ganz persönlichen Mama-Momente zur Zeit. Ich freue mich mit ihr!   

Montag, 5. August 2013

Papa ist zuhause!

Am Tag nach dem Flughafen-Wiedersehen holte ich die Mädels alleine von den Großeltern ab. Das Trotzköpfchen hatte ihren letzten Bonbon am Morgen gegessen und ist ja nicht blöd. Im Auto fragte sie also: "Hast du Papa gestern nach Hause geholt, Mama?" Ich nur kryptisch: "Lasst euch überraschen." 

Es half nichts. Ein Kinderchor erklang. "Papa ist zuhause! Papa ist zuhause!" Das Auto bebte, die kleinen Füße trippelten. Und ich grinste still vor mich hin.

Zuhause angekommen rannte das Trotzköpfchen sofort ins Wohnzimmer. Und vielleicht glaubte sie es noch nicht oder war überrascht von seinem tatsächlichen Anblick, dass sie sofort umdrehte und mit einem "Oh!" zu mir zurück gerannt kam. Die Frechdächsin schaute skeptisch auf den Mann, der da plötzlich in unserem Wohnzimmer stand, und klammerte sich schüchtern an mein Bein. Sie wussten beide nicht recht, was sie nun tun sollten. Verlegen und schüchtern. 

Der Mann sagte schließlich vorsichtig zum Trotzköpfchen: "Komm mal her. Ich bin wieder da. Ich habe dich sehr vermisst", und da war das Eis gebrochen. Beide fielen dem Papa in die Arme. Beide wollten ihn lieb haben und Küsschen geben, wollten ihm alles mögliche zeigen. Und Mama war abgemeldet. Eine Weile habe ich die drei machen lassen, sich wieder zusammenraufen lassen, sich wieder aneinander gewöhnen lassen. Dann wollte ich nachschauen, zuschauen, genießen, doch als ich das Kinderzimmer betrat, sagte meine kleine 21 Monate alte Frechdächsin in einem sehr strengen Ton zu mir: "Mama, du nich!" 

Mama war also abgemeldet. Komplett. Du nich! Dann soll Papa mal machen!    

Freitag, 2. August 2013

Vom Wiedersehen

Es begann mit einem Versprechen. Dem Versprechen, auf ihn zu warten bis er endlich zu mir zurückkehrt. Ihn zu lieben, auch wenn er nicht bei mir sein kann. Dem Vertrauen, dass unsere Liebe Zeit und Raum überwinden kann, daran vielmehr wächst, statt zu verderben. Es begann in jener dunklen Nacht im Februar, in der sich unsere Wege trennten für lange 5 Monate, und es endete an einem schönen Sommerabend im Juli. 

Am Abend vorher war ich sehr ruhig und konnte es noch gar nicht richtig realisieren. Die lange Zeit des Wartens sollte am nächsten Tag wirklich vorbei sein. Hatten wir es wirklich "schon" geschafft? 
Die Herzrhythmusstörungen kamen über Nacht. Ich wachte plötzlich auf, fühlte mein Herz rasen und konnte nicht wieder einschlafen. Der Wecker zeigte 2 Uhr nachts, halb 5 nach afghanischer Zeit. Zeit für den Mann, sich abflugbereit zu machen! Es würde wirklich passieren. Verrückt! 

Irgendwie habe ich die Nacht doch noch überstanden. Das letzte Frühstück mit den Mädels ohne den Papa. Dann Betten beziehen, der Moment, auf den ich mich den ganzen Einsatz über gefreut hatte. Es bedeutet: Von nun an schlafe ich nicht mehr alleine! Und Sachen packen für die Übernachtung der Mädels bei den Großeltern. Wir hatten uns nämlich dafür entschieden, dass dieser Moment des Wiedersehens und Nach-Hause-Holens nur seiner und meiner sein sollte. Mit den Kindern würden wir am nächsten Tag ganz in Ruhe und zuhause Familienzusammenführung zelebrieren.  

Als die Mädels dann bei der Oma abgeliefert waren, machte ich mich daran, die Wohnung auf Vordermann zu bringen. Aufräumen, saugen, wischen. Bäder sauber machen. Man veranstaltet einen Aufwand, das ist unglaublich. Dabei ist es den Männern sicher egal, ob gewischt ist oder ob die Fenster geputzt sind. Hauptsache sie sind wieder zuhause. Mir aber nicht. Es sollte alles perfekt sein. Ich natürlich auch. Also duschen und zurecht machen. Das frisch gekaufte Outfit auf die hochsommerlichen Temperaturen abstimmen und endlich war es an der Zeit, zum Flughafen zu fahren. Ich hatte zeitlich einen riesen Puffer falls Stau und so. Sind ja Sommerferien. Und ganz ehrlich: Länger hätte ich nicht zuhause rumsitzen können. Beim Autofahren war ich also erst einmal beschäftigt. 

Die zittrigen Finger wichen einem sich in der Magengegend ausbreitendem Glücksgefühl. Ich drehte das Autoradio auf und sang lauthals mit. "Bye (bye), ich fühl mich so frei (frei), Ich will nicht mehr heim und mir is scheißegal, was morgen kommt. Ich heb mein Glas und schrei: Bye (bye), ich fühl mich so frei (frei), Ich will nicht mehr heim und mir is scheissegal was morgen kommt ..."

Hannover Airport näherte sich mit jedem Kilometer. Ich parkte im bereits erwähnten Parkhaus Ost. Der Mann hatte mir gesagt, sie würden höchstwahrscheinlich beim abgesperrten Bereich für das Militär ausgeschleust werden, und so stand das Auto so dicht wie möglich dran. Terminal D war allerdings dicht, und so dachte ich, ich frage einfach mal irgendwo an einer Information nach. Schadet ja nichts. Und Zeit hatte ich auch noch massig. 

Das vertraute Flecktarn-Grün sah ich, bevor ich einen Informationschalter erreichen konnte. Also lieber mal die Soldaten gefragt. Die müssen's ja wissen! :) Wieder zurück zu Terminal C, gleich nach dem Urlaubsflieger von Sonstwoher würden unsere Afghanistan-Heimkehrer ausgeschleust werden! Juchuuu! Noch knapp eine Dreiviertelstunde! Eine sehr lange Dreiviertelstunde, die keine Dreiviertelstunde blieb. Eine Stunde warten. Und warten. Der Urlaubsflieger kam. Die Urlauber wurden freudig begrüßt. Es zog alles an mir vorbei. Ich trippelte mit den Füßen, die Aufregung stieg von Minute zu Minute. So lange konnte das doch jetzt nicht mehr dauern. Und warten ... und warten. Nichts in Sicht. Also erstmal zum Automaten ein Kaltgetränk mit dem Namen meines Mannes ziehen. Und daran nippen. Schluck für Schlückchen. Es lenkte etwas ab. 

Da ich nun aber aufgestanden war, war mein guter Platz an der Fensterscheibe futsch. Und so langsam regte sich etwas. Die ersten Wartenden (viele Frauen natürlich und andere Soldaten) standen auf. Ich stellte mich auf die Zehenspitzen. Und tatsächlich: WÜSTENTARN! Endlich wieder Wüstentarn nach so langer Zeit des Wartens. Mein Herz hüpfte, und die ersten kleinen Tränchen der Erleichterung liefen. Der Mann aber noch nicht in Sicht. Also weiter warten. In den Anzügen sehen die Soldaten ja auch irgendwie alle gleich aus. Welcher war also meiner? Als er dann aber den Raum hinter der Glasscheibe betrat, habe ich ihn sofort gesehen. Da war er also, mein Mann, unversehrt wieder zurück auf deutschem Boden. Die Anspannung der letzten Monate fiel mit seinem Anblick von mir ab, und ich war froh, dass er wieder da war. Hinter der Glasscheibe. 

Die nächsten Minuten waren ein nicht enden wollendes WARTEN. Das mit der Gepäckausgabe könnten die aber auch wirklich schneller hinbekommen! Schließlich warten wir hier schon 4-6 Monate aufeinander! 

Dann, er stand am Gepäckband und hob seinen Blick. Und seine Augen trafen meine. Und er lachte und ich lachte - und hatte die nächsten Tränen in den Augen. Wir winkten einander zu. Weitere Minuten vergingen, in denen nichts geschah. Dann endlich schulterte er seinen Seesack, Rucksack und Tasche in den Händen, und kam durch die Schleuse. Ich fiel ihm in die Arme. Eine erste Umarmung. Ein erster Kuss. Es war alles so vertraut. Die Erfüllung des Versprechens. Glück. Nichts als Glück. Und Erleichterung. 

Wir verabschiedeten uns schnell von den Kameraden, verzichteten auf den Willkommensdrink der Einheit und machten uns auf den Weg zum Parkhaus. Und da sah ich ihn - den Bundeswehr Airbus mit der Nase quasi direkt vor meinem Auto stehen! 
Wenn ich zwei Stunden im Auto sitzen geblieben wäre, hätte es anders sein können ... 

So bin ich einfach nur froh, dass der Mann endlich wieder zuhause ist. Bei mir. Bei uns. Und wie die Kinder am nächsten Tag reagiert haben? 

Donnerstag, 1. August 2013

Das Versprechen

The Promise by Tracy Chapman

"If you wait for me then I'll come for you
Although I've traveled far
I always hold a place for you in my heart
If you think of me, if you miss me once in awhile
Then I'll return to you
I'll return and fill that space in your heart

[...]

Remembering
Your touch
Your kiss
Your warm embrace
I'll find my way back to you
Please say you'll be waiting

Together again
It would feel so good to be
In your arms
Where all my journeys end
If you can make a promise if its one that you can keep, I vow to come for you
If you wait for me and say you'll hold
A place for me in your heart.


Und dieses Versprechen zu halten ist das Beste. Die Belohnung dafür das Wiedersehen. Es ist so schön, ihn wieder bei mir zu haben.

Mittwoch, 31. Juli 2013

So hätte es sein können ...

... unser Wiedersehen. 

Parken im Parkhaus Ost, Hannover Airport. Kaum was los. 
Bundeswehr-Flieger bei der Landung nicht zu sehen, rollt zum parken jedoch direkt vor das Parkhaus. 

Die Soldaten beim Aussteigen beobachten. Den Mann erblicken. Rufen und Winken. Luftküsse. Die ersten Wiedersehenstränchen. 
Ganz in Ruhe vom Parkhaus zum Terminal laufen. Sich das Wiedersehen nochmal in den schönsten Zügen ausmalen. 
Am Terminal auf die Ausschleusung warten. Und warten. Und ungeduldig warten ...  
Ihn endlich in die Arme schließen. Und die Anspannung fallen lassen. 

So hätte es sein können. Es war natürlich ganz anders. 

Dienstag, 23. Juli 2013

Zurück!

Ich hab ihn endlich wieder! Den Mann!

Gestern gegen 18h und ein bisschen war es endlich soweit. Er trat durch die Flughafenschleuse, nahm mich in die Arme, und die Welt stand still. Der Einsatz ist vorbei, er ist endlich wieder bei mir. Wir sind wieder ganz. 

Ein ausführlicher Bericht wird folgen. Doch nun genießen wir erstmal die Zeit zu viert - und den Sommer zu viert. 

Ich danke euch allen!

Montag, 22. Juli 2013

Abfahrt

Es geht los!

Alles erledigt! Ich fahre los und hole mir den Mann nach Hause! Juuuuchuuuuu!

Ich bin so unglaublich aufgeregt und freu mich riesig! Hibbeldihipp! :D

Tag 154: Heute

... ist es soweit! 154 lange Tage des Wartens sind vorbei. 

Die SmS vom Zwischenstopp kam heute früh. ER IST RAUS AUS AFGHANISTAN! Der erste Schritt ist geschafft!

Ich stehe Kopf. Meine Hände sind feucht, mein Herz rast, ich kann kaum noch schreiben vor zittrigen Händen. Bald, ganz bald, hab ich ihn endlich wieder. Verletzungsgefahr ist gerade extrem hoch. ;)

Auch die Kinder merken die Aufregung. Sie tanzen und kreischen und freuen sich. Und ich komme kaum dazu, ihre Sachen für die Nacht bei den Großeltern zu packen. Gleich geht's für die beiden schonmal ab zur Oma. Den allerletzten Bonbon des Trotzköpfchens für morgen früh natürlich mit im Gepäck. Und dann steht hier der Feinschliff auf dem Programm.

Mein Hibbel-O-Meter des heutigen Tages

:hibbel2 :hibbel2 ***** 1 ... 2 .... 3 .... 4 .... 5 .... 6 .... 7 .... 8 .... 9 .... 10 :hibbel2 ***** :hibbel2:hibbel2

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHH!

Sonntag, 21. Juli 2013

Tag 153: Die Ruhe vor dem Sturm

Der letzte Tag. Das (vor-)letzte Mal alleine mit den Kindern aufstehen, frühstücken. Bespaßen. 

Das letzte Mal skypen mit Papa. Nur kurz und nur, um zu sagen: "Wir wollen dich lieb haben und mit dir kuscheln! Und Ball spielen! Und ticken und fangen ..." 

Noch ein bisschen Haushalt hier und dort. Und unangemeldeter Besuch. Das warf mich aus dem Zeitplan. Die Betten sind noch immer nicht bezogen. SEIN Bett ist noch nicht bezogen! Morgen dann. 

Kekse backen mit dem Trotzköpfchen und der Frechdächsin. Für Papa. Aus dem letzten Teigrest formen wir ein Riesenplätzchen für ihn und dekorieren es aufwändig. Das Trotzköpfchen stolz. Und froh. Und aufgeregt. Bald kann Papa die Kekse essen. 


Der letzte einsame Abend ist angebrochen. Ich lümmel mich auf die Couch und lese ein Buch. Und genieße den letzten Abend alleine. Noch bin ich ganz ruhig, ganz unaufgeregt. Das Hibbeln setzt für heute aus. Der letzte Abend - ich registriere das noch nicht wirklich. Aber ob ich die Nacht schlafen kann?

Samstag, 20. Juli 2013

Tag 152: 2010

"Jetzt ist mein Held schon wieder 2 ½ Wochen zuhause, und es ist quasi fast alles wieder so wie vorher. Als hätte es die lange Zeit der Trennung nicht gegeben. Als wäre er niemals fort gewesen. 

Wo fang ich denn am besten an?? Also am Samstag vorher waren ja die Heinzelmännchen hier und haben die Bude auf Hochglanz geschrubbt. Ein dickes „Danke“ an meine kleine Schwester, die Badezimmerqueen. Den Tag vorher dann, Sonntag, hab ich damit verbracht, die letzten Vorbereitungen zu treffen. Eigentlich war ich mit der Maus noch hier und dort eingeladen, um mich ablenken zu lassen, aber ich wollte den letzten einsamen Tag alleine mit der Maus genießen. Das war letzten Endes gar nicht soooo gut, denn so hatte ich soooo viel Zeit zum Nachdenken und zum Hibbeln, dass ich kaum noch zu gebrauchen war. Am Tag vorher ging es mit der Hibbelei richtig los. Ich hatte Herzrasen und konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Nur noch einmal schlafen, dann kommt mein Held!! 

Ans Schlafen war dann aber gar nicht zu denken. Mit dem Herzrasen und den sich immer schneller kreisenden Gedanken ging das einfach nicht. Ich habe wirklich überlegt, auf der Arbeit anzurufen und zu sagen, dass ich nicht komme, weil ich dachte, ich könnte in dem Zustand mich nicht konzentrieren. Ich hab es dann doch irgendwie durchgezogen ... Wie ist das geschafft habe, weiß ich immer noch nicht so ganz. :D Die SMS kam dann mitten im Unterricht, dass der Held endlich in Termez gelandet ist! Da musste ich mich kurz auf die Toilette verdrücken, um mich wieder zu sammeln. Endlich rückt das Wiedersehen in greifbare Nähe!! 

Und endlich ging es auf die Autobahn Richtung Köln. Die Fahrt ging recht gut voran, ein kurzes Klopäuschen und schnell was zu essen gekauft (ich hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen vor Aufregung) und dann bin ich schon wieder weitergebrettert. Kurz vor Köln, ich glaub, mein Navi hat noch 18 km angezeigt, kam dann der Stau. Und nu??? Bis zur Landung sollten es noch 45 min sein, ich wollte doch rechtzeitig ankommen! Also schnell das Livereporter-Äffchen angerufen, um mich wieder zu finden und abzulenken. Danke übrigens, dass du beim FH angerufen hast. So war ich dann beruhigt, dass der Flieger Verspätung hatte und ich ruhig noch ne Runde im Stau stehen konnte. Offizielle Landung sollte dann also erst um 20h sein. Viertel vor 7 war ich dann doch endlich am FH und hab gezittert, was das Zeug hält. Im Telefonat mit dem Äffchen haben wir dann festgestellt, dass ich gänzlich schlecht vorbereitet sei, Haare sitzen nicht, keine wasserfeste Schminke, oh je. Das war ja klar.  :D

Dann hab ich mir irgendwann nen Kaffee gezogen, die Äffchen meinten ja, das beruhige die Nerven. Also ich zum Automarten und Geld aus dem Portemonnaie geholt. Hinter mit stand ein Soldat in grün, der plötzlich sagte: "Ach, und Sie sind also Frau FIEB." Ich guckte ihn völlig entsetzt an, starrte auf sein Namensschild und überlegte fieberhaft, woher der mich wohl kennt. Ich also: "Und wer sind Sie?" Er hat mir dann erklärt, dass er die anderen Soldaten aus der Kaserne meines Mannes nach Hause holt, meinen Mann ganz gut kennt, weil er auch in AFG war bis vor kurzem. So klein ist also die Welt. Das Gespräch war sehr lustig und hat mir ganz gut die Zeit vertrieben. Schließlich hab ich mich noch zu einer anderen Soldatenfrau gesellt, mit der ich die letzte halbe Stunde verbracht hab. Aus dem Grund hab ich dann natürlich verpasst, dass der Flieger gelandet ist. Sie sagte irgendwann völlig geschockt zu mir: "Ich hab grad ne SMS von meinem Freund bekommen, die sind gelandet!" Und ich hab's verpasst, na toll. Dann ging es auch schon los. Die Leuten drängelten sich zur Glastür, wir natürlich hinterher (und ich am Zittern wie bekloppt). Die ersten Soldaten waren schon hinter der Tür zu sehen. Wüstentarn! Endlich. Ich hab meine Nase platt gedrückt und geguckt, ob ich meinen Helden auch irgendwo sehe. Keine Spur, dachte zuerst, die hätten den irgendwo in Termez vergessen.  ;) Aber dann war er da! Und die Welt stand still, und die Tränen liefen.

Es dauerte dann noch eine gefühlte Ewigkeit, bis er endlich durch die Glastür kam. Aber dann stand er endlich vor mir und wir haben uns erstmal nur festgehalten. Und die Tränen liefen und liefen. Ich konnte es gar nicht fassen, dass er endlich nach so ewig langer Zeit wieder bei mir war. Er sah aus wie vorher, er hat gerochen wie vorher, alles war vie vorher, als wäre er niemals wirklich weg gewesen. Und die ganze Anspannung während des Einsatzes war plötzlich fort.

Es war abgemacht, dass ich die Maus am nächsten Morgen alleine von der Schwiegermama abhole und sie dann zuhause auf Papa trifft. Wir wussten ja nicht, wie sie mit ihren 20 Monaten auf ihn reagieren würde. 6 Monate, das ist eine lange Zeit. Ich also morgens die Maus abgeholt, zu Fuß natürlich, Schwiegereltern wohnen nicht weit weg. Wenn wir von der Oma kommen, bleibt sie immer unten an der Straße stehen und guckt zu unserem Balkon hoch. Da ist ihre Windmühle, die sich dreht, und dann weiß sie, dass sie dort oben wohnt. Dieses Mal war da nicht nur die Windmühle, sondern da stand auch der Papa. Sie sah ihn und machte nur "OOOOOHHHHH" und rannte los. Die Stufen zur Wohnung hoch plapperte sie in einer Tour "Papa, Papa". In der Wohnung dann war sie erst ein bisschen schüchtern und lief immer in einem großen Bogen um ihn herum. Und dann war er da, der Moment, der jede Mama zu Tränen rührt. Vater und Tochter fielen sich in die Arme, und ich war plötzlich abgemeldet, so dass die beiden den Rest des Vormittags miteinander gespielt und getobt haben. Das war echt schön zu sehen."

Das war 2010, damals. Vor drei Jahren. Und ich bin so gespannt, wie es dieses Mal wird.

BALD! Ganz bald ist es soweit. 

Freitag, 19. Juli 2013

Tag 150 / 151: Nervös

Der Mann und ich, wir hatten gestern Abend unser letztes Skype-Date. Und wie er mich so ansieht und leise sagt: "Ich könnte jetzt glatt durch den Bildschirm springen" macht mich das nervös. Schmetterlinge im Bauch, Glücksgefühl und ein kleines Prickeln unter der Haut, wie es denn sein wird, wenn er wieder da ist, mich wieder in den Arm nimmt. Fast wie vor dem ersten Date. Ungewissheit. Aufgeregtheit. Nervosität. 

Wie fühlt er sich an? Wie riecht er? Wie fühle ich mich in seinen Armen? So lange ist es schon her, die Nähe zueinander ... Ich vermisse das. Und ich freue mich so wahnsinnig darauf, ihn wieder hier zu haben. Das ist schier unbeschreiblich. 

Gestern - das letzte Mal dieses unscharfe Bild von ihm. Nur erahnen können, wie seine Gesichtszüge aussehen, wie seine Haare liegen, wie seine Augen leuchten. Das letzte Mal sich wieder trennen müssen, bis wir uns wiedersehen. In wenigen Tagen gibt es den Mann wieder live, in Farbe und in HD! 

Der finale Countdown läuft! Und ich bin alles gleichzeitig. Nervös, voller Vorfreude, hibbelig. Am Rande des Wahnsinns. Gefühlschaos. 

Mittwoch, 17. Juli 2013

Tag 149: Freud und Leid

... sind so dicht beieinander.

Nahezu den ganzen Einsatz über kam kaum ein Wörtchen darüber, dass Papa vermisst wird, dass er weg ist oder wann er endlich wiederkommt. Doch nun, so kurz vor dem Ende, so kurz vor dem Wiedersehen, tauchen vermehrt Heulattacken des Trotzköpfchens auf. 

Sie fängt an zu weinen ohne erkennbaren Grund. Sie lässt sich kaum beruhigen. Druckst herum. Irgendwann, auf mehrere Nachfragen meinerseits, was denn los sei, antwortet sie. "Wegen Papa. Er kommt nicht wieder." Es tut so weh, das Kind so zu sehen.

Und obwohl sie sieht, dass das Bonbonglas leerer wird, obwohl sie die Tage schon längst zählen kann, versteht sie nicht, was es bedeutet. Dass er wirklich schon bald wiederkommt. Jeder sagt ihr: "Nun ist es nicht mehr lang. Papa kommt ja bald wieder." Aber für sie steht fest: Er ist immer noch nicht da. Bald ist noch nicht. Wann ist Bald? Ich denke, sie kann es einfach noch nicht einordnen, sie weiß nicht, wie lange eine Woche ist. Für die Kleinen ist es meistens schon schwierig, die nächste Stunde abzuwarten, wenn eine Spielverabredung ansteht. Wie soll man da noch so lange warten?

Ich versuche, ihr die Tage so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten, sie abzulenken, sie zu fordern, damit sie für sie möglichst schnell vergehen. Gleichzeitig halte ich meine eigene Nervosität zurück und bin darauf bedacht, mir möglichst nichts anmerken zu lassen. Und wenn ich so darüber nachdenke, muss ich feststellen: Ihre Gefühlslage ist der genaue Gegensatz zu meiner. Denn ich muss jedesmal an mich halten, um nicht aufzuspringen und zu kreischen. Aber innerlich, da feiert mein Herz eine Party. Die Party des Jahres.    

So nah sind Freud und Leid beieinander ... 

Dienstag, 16. Juli 2013

Tag 148: Die letzte Woche

... ist geknackt! Und ich drehe hier schier durch! 

Ich werkel und tue und putze und mache, tanze, hibbel und verliere den Kopf! Zwischendurch mal innehalten und sinnieren. 

Mein Kalender scheint zu blinken und zu schreien: BALD IST ES SOWEIT! SIEHST DU, DIE MARKIERUNGEN TREFFEN SICH SCHON FAST!! 
Und ich denke, das kann doch gar nicht sein. Wo ist die Zeit nur hin? Und eigentlich könnte ich noch so viel machen, so viel tun! Kommt er wirklich schon nächste Woche? Nächste Woche schon?? Das kriege ich nicht gemanaged hier! 

Immerhin: Die Frisur sitzt! Die Fenster sind geputzt! Und der Mann fängt an, seine Sachen nach Hause zu schicken. 

Kneift mich mal jemand? 

Montag, 15. Juli 2013

Tag 147: Vier Tage im November

von Johannes Clair.

Auf den letzten Metern habe ich mich herangetraut. Absolut lesenswert! Wer einen Einblick bekommen möchte, was unsere Soldaten in Afghanistan tun, sollte es lesen. Mir hat es geholfen, zu verstehen. 

"Johannes Clair liefert in seinem Buch "Vier Tage im November" einen schonungslosen Einblick in die tägliche Arbeit der deutschen Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan. Im Sommer 2010 landete er mit seiner Einheit in der Provinz Kunduz, im Nordosten Afghanistans. Clair schildert die Erledigung der täglichen Aufgaben seines Golf-Zugs und wie er dabei mit den Menschen in Afghanistan in Berührung gekommen ist. Der Leser wird rasch mitgenommen und in die sandige und staubige Welt des fernen Afghanistan hineingezogen" von Christoph Mahnel, nachzulesen hier.