Dienstag, 9. April 2013

Tag 50: Das erste Paket






... aus dem fernen Afghanistan ist gestern eingetroffen! 

Natürlich morgens, als das Trotzköpfchen noch im Kindergarten war. So musste ich eine gefühlte Ewigkeit warten, bis ich endlich hineinsehen konnte, was der Mann geschickt hat. Stunde um Stunde schaute ich immer wieder verstohlen zum Paket hin, spielte mit dem Gedanken, es schonmal zu öffnen, um hineinzuspähen. Dann wieder verschließen, damit das Kind das Panzertape aufreißen kann. Ich saß wie auf heißen Kohlen! Endlich war es da, ein Lebenszeichen aus der Ferne. Etwas, das ER selbst gepackt hatte, etwas, das ER berührt hatte, um es uns nach Deutschland zu schicken. Ich weiß, es klingt so absurd und albern ... 

Dann war es schließlich soweit. Und och war um ein Vielfaches aufgeregter als die Kinder. :) Panzertape kann aber auch widerspenstig sein! Bis wir das zerrissen, zerschnitten und geöffnet hatten ... was für ein Akt der Anstrengung. 




In dem Paket befanden sich 3 Überraschungseier, die sich das große Töchterlein vom Papa gewünscht hatte. In der internationalen Fassung wohlgemerkt! Dann jeweils ein kleines Spielzeug für die Mädels, das ich dem Mann schon vor der Abreise mit ins Gepäck gesteckt habe - in Afghanistan soll es schließlich nicht so tolle Einkaufsmöglichkeiten geben. :) Eine Karte. Und natürlich noch ein Bundeswehr-T-Shirt von ihm, getragen und voll mit Parfum und seinem körpereigenen Geruch, für mich.


Als ich es ausgepackt und mich getraut hatte, daran zu schnüffeln, übermannte es mich. Im ersten Moment ist es wie ein Aha-Effekt (Achja, so roch er noch gleich!), doch dann folgt schnell das Erkennen und das noch viel schlimmere Vermissen. Still und leise musste ich erstmal ein paar Momente für mich haben und ein paar Tränchen verdrücken. Zum Glück waren die Mädels mit ihren Überraschungseiern beschäftigt. 
Es tat so gut, ihn wieder zu riechen, als wäre er hier bei mir. Natürlich habe ich das T-Shirt mit ins Bett geschleppt, schön drapiert neben meinem Kissen - so fühlt es sich nicht mehr ganz so einsam an. 


Montag, 8. April 2013

Tag 48 / 49: Das siebte Wochenende

ist geschafft!

So langsam bekommen wir Routine im Alleinsein. Die Wochenenden nutzen wir, um auszuschlafen. Sind die Mädels erstmal aufgestanden, spielen sie ne Runde zu zweit in ihren Zimmern und lassen Mama noch eine Weile vor sich hin dösen. Dann machen wir Frühstück und lassen uns beim Essen ganz viel Zeit. Die Mädels brauchen das. 

Und trotzdem sind die Wochenenden ganz besonders anstrengend, weil ich die meiste Zeit den Alleinunterhalter spielen muss. Oder bei Streit schlichten muss. Oder mal schimpfen. Nebenbei noch kochen und Kinder versorgen. Ist der Mann da, übernimmt er natürlich einige der Aufgaben, bespaßt die Mädels und nimmt mir hier und da etwas ab. So natürlich bleibt alles an mir hängen. Und man ist den ganzen Tag gefordert, muss funktionieren, muss bespaßen, muss alles alleine machen.

Damit die Tage nicht so anstrengend werden, laden wir uns gerne bei den Großeltern ein, zum Mittagessen oder zum Kaffee trinken. Auch gestern waren wir unterwegs, diesmal bei Oma und Opa O.. Wir machten einen Spaziergang in der Sonne. Oh ja, genau, das große, runde, leuchtende Ding lässt sich hier blicken, und die Mädels genießen das. Auch ich genoss es.

Samstag, 6. April 2013

Tag 46 / 47: Krönchen gerichtet

 

Ich habe mein Krönchen gerichtet, Kopf hoch und Ohren steif gehalten. Es geht mir wieder gut.

Viel dazu beigetragen haben sowohl die Mädels virtuell im frauzufrau-online-Forum, mit ihren tröstenden Worten und witzigen Geschichten, bei denen ich viel gelacht habe, als auch das heutige Äffchentreffen mit den Soldatenfrauen aus dem besagten online Forum. Wie gut, dass es so etwas gibt. Austausch ist so wichtig, zu wissen, man ist mit diesen Gefühlen nicht allein, überall in Deutschland sitzen Frauen in derselben Situation und mit denselben Gedanken und Gefühlen. Es hat gut getan.

Danke Mädels! :)

Donnerstag, 4. April 2013

Tag 45: Und wie geht es dir so?

Ein unverhofftes Skype-Date hatten wir gestern Abend. Es klappte tatsächlich!

Wir freuten uns wie kleine Kinder. Wir freuten uns, uns zu sehen. Wir alberten rum, warfen uns Luftküsse zu und grinsten und schmachteten uns verliebt an. Und dann kam der Moment, in dem er fragte: "Und wie geht es dir so?" Seitdem er fort ist, wurde mir diese Frage so gut wie nie gestellt. Vielleicht so häufig, dass man es an einer Hand abzählen kann. Alle fragen schließlich immer nur nach ihm und den Kindern, aber damit habe ich mich abgefunden, kenne ich ja auch schon aus dem ersten Einsatz. Auch der Mann hat bisher nie gefragt, weil ich bei unseren Telefonaten oder auch beim skypen immer sofort von mir aus alles mögliche erzählt habe. So musste ich mich wenigstens nicht mit meinen Gefühlen befassen. Man will ja stark sein.

Als er mich gestern Abend also fragte, musste ich wirklich in mich hineinhorchen. Und plötzlich brach der Damm! Ich wollte nicht vor ihm heulen, schon gar nicht, wenn er mich dabei auch noch sehen kann. Aber die Einsamkeit über die Feiertage, die Enttäuschung, dass kaum einer bisher seine Versprechen gehalten hat, und die Anstrengungen einer alleinerziehenden Mutter - das alles (und wahrscheinlich noch tausende Dinge mehr) kam an die Oberfläche und brach aus mir heraus. 

Hinzu kommt, dass ich ihn grad ziemlich dolle vermisse. *schnüff* Ich sehne mich nach einer Schulter zum Anlehnen, wenn der Tag mal wieder viel zu lang, zu anstrengend oder sonstwas war. Abends, wenn die Kinder im Bett sind und alles ruhig ist ... doch ich sitze immerzu allein auf der Couch. 

Gerade sehe ich das Licht am Ende des Tunnels nicht. Der Mann faselt immerzu von "Wir haben schon so viel geschafft!" und "Bald bin ich ja wieder da!", "Denk dir schonmal was schönes aus, was wir dann alles machen können". Er braucht das halt, das Schöngerede. Aber die Wahrheit ist: Wir haben erst April! Er wird noch bis Juli weg sein. Ich werde so lange allein sein. Wenn wir Pech haben vielleicht sogar bis August. Das ist für mich kein "Bald". 

Mittwoch, 3. April 2013

Tag 44: Von mir zu dir

Zu Dir - Mark Forster

"Du machst die Augen zu beim Küssen
und sagst mir traurig, dass wir müssen,
es fährt die letzte Bahn.
Komm lass uns später noch mal skypen,
wie gern würd ich dich begleiten,
und einfach mit Dir fahren.


Das werden wieder schwere 14 Tage,
und es ist Sinnlos, was ich sage,
bis wir uns wieder sehen,
und gegenüber stehen.


Obwohl sich alles in mir wehrt,
lass ich dich ziehen, und bliebe
ohne dich alleine in Berlin.
Und egal wie weit Du weg bist,
bist Du doch immer irgendwie dabei,
bei mir, dabei, bei mir.


Von Dir zu mir, so weit, weit weg.
Von hier zu Dir, so weit, weit weg.
Von mir zu Dir, so weit, weit weg."



So oder so ähnlich. Das Lied drückt sehr gut aus, was ich derzeit fühle. Nur dass es nicht schwere 14 Tage werden, eher schwere 150-180 Tage. 

Dienstag, 2. April 2013

Tag 43: Der März ist um!

Endlich konnten wir wieder das Kalenderblatt wenden - der März ist um!


Und es fühlt sich an, als wäre ein weiterer Abschnitt des Weges geschafft. Ich kann sagen: "In weniger als 4 Monaten kommt mein Mann zurück!" Es sind keine 6, es sind keine 5 Monate mehr. Es sind auch keine vollen 4 Monate mehr. 

Es tröstet ein bisschen.

Montag, 1. April 2013

Tag 42: Einsam unter Freunden

Allein sein und einsam sein - zwei unterschiedliche Dinge.

Allein (Definition laut Duden: ohne die Anwesenheit / Gegenwart eines anderen oder anderer, getrennt von anderen, ohne Gesellschaft, für sich), das ist der Zustand, in dem ich mich befinde. Der Mann ist fort in weiter Ferne, und ich bin mit den Kindern allein zu Hause. Also, allein bin ich in diesem Sinne eigentlich nicht.
Einsam (Einsamkeit bezeichnet eine Empfindung, von anderen Menschen getrennt und abgeschieden zu sein laut "Wikipedia"), das ist das Gefühl, das ich empfinde - mal mehr, mal weniger, aber irgendwie immer präsent.

An Feiertagen somit allein zu sein, ist ätzend. Besinnlichkeit oder Freude den Kindern vorleben, obwohl man sich eigentlich nur einsam und irgendwie traurig fühlt, ist sehr schwierig und kräftezerrend. Aber ich habe mein Bestes gegeben. Wir waren bei den Großeltern, Eiersuchen, Mittag essen und Kaffee trinken. Wir waren beim alljährlichen Grillen mit der Clique. Einsam unter Freunden.

Hatte jeder seinen Partner an seiner Seite, hatte ich zwei Kinder, die beide möglichst gleichzeitig meine Aufmerksamkeit einforderten. Hatten die anderen Kinder Vater und Mutter, die sich abwechselnd um die Kleinen kümmern konnten, hatten meine Mädels nur die anderen Väter und verstärkt mich. Es war anstrengend für mich und zeigte mir nur noch deutlicher, wie allein ich bin und wie einsam ich mich eigentlich fühle. Er fehlt.

Den Gang zum Osterfeuer habe ich mir gestern Abend gespart. Zum Leid der Kinder natürlich. Aber ich konnte einfach nicht noch mehr Kraft aufbringen und mich zweiteilen müssen, um möglichst beide Mädels im Auge zu behalten. Zuhause angekommen, war ich froh, dass ich irgendwann auf die Couch sinken konnte. Und heute - Ostern ist vorbei. Jetzt wird erstmal kein Feiertag mehr kommen. Nicht so bald zumindest.