Auch die Frechdächsin macht ordentliche Fortschritte. Mit Gabel und Löffel wird jetzt alleine gegessen. Und immer, wenn ich doch mal kurz helfen möchte, bekomme ich einen ungeduldigen Gesichtsausdruck, heftiges Gefuchtel nach dem Esswerkzeug und ein "Ich alleine!" geboten. So bedarf die Küche nach dem Essen einer Grundreinigung, aber vielleicht kann sie ganz alleine essen, wenn der Mann endlich wiederkommt. Da lohnt sich dann der Aufwand - vielleicht.
Mittwoch, 8. Mai 2013
Dienstag, 7. Mai 2013
Tag 78: Ablenkung
Meine Schwägerin und ihr Mann, der Patenonkel von der Frechdächsin und ein befreundetes Paar, die Mädels und ich waren letztens in einem sehr kindgerechten Freizeitpark. Es war ein sehr ausgelassener und schöner Ausflug mit vielen tollen Erlebnissen.
Die Märchenwelt wurde erkundet, Riesenrad gefahren und Trampolin gesprungen. Die Riesen-Wellenrutsche wurde getestet und für gut befunden, so dass die Männer gefühlte stundenlang mit dem Trotzköpfchen hinuntersausen durften. Babyschaukel und -karussel ließen die Frechdächsin einlullen, so dass sie beinahe eingeschlafen wäre.
Montag, 6. Mai 2013
Tag 77: Einen fahlen Nachgeschmack
... hat das Ereignis in Afghanistan. Man ist wie gelähmt.
Bisher habe ich immer versucht, die Gefahr zu verdrängen. Als wäre der Mann nur im Nebengebäude und hätte den Auftrag, dieses bis zum Tag X nicht zu verlassen. In Sicherheit also. Nun ist die Gefahr für Leib und Leben wieder mit voller Wucht präsent. Es ist kein Spaß-Survival-Urlaub in der Wüste, es ist Krieg! Und im Krieg passieren solche schrecklichen Dinge.
Man fühlt sich machtlos. Denn man kann an der Situation nichts ändern, man kann seinen Mann, der als Soldat für Deutschland dort ist, nicht nach Hause holen - man muss einfach weitermachen im Programm. Irgendwie. Tage und Wochen zählen. Und bangen und hoffen. Hoffen, dass alles gut geht und er unversehrt und gesund wieder nach Hause kommt. Und die Tage abreißen, so gut es geht. Versuchen, sich seine Sorgen von den Kindern nicht anmerken zu lassen.
An solchen Tagen ist es schwer, die Fassade zu wahren. Das Zauberwort heißt Ablenkung, so makaber es klingt.
Sonntag, 5. Mai 2013
Gestern Abend ...
... waren der Mann und ich verabredet, zum telefonieren. Als ich die Kinder im Bett und es mir schön auf dem Sofa bequem gemacht hatte, wartete ich auf seinen Anruf. Wir hatten schließlich ein Date. Es kam und kam aber nichts. Zuerst nicht weiter schlimm, dann verspätet er sich halt, aufgehalten oder so. Doch irgendwann machte ich mir Sorgen.
Ich schrieb eine SMS. Es kam keine Antwort. Ich trippelte nervös mit den Füßen und konnte mich nicht wirklich auf den Fernsehfilm konzentrieren. Wieso rief der Mann nicht an?? Irgendwann klingelte das Telefon. Aber er war es nicht - es war sein bester Freund.
"Ich soll dich anrufen und dir sagen, es ist alles ok", sagte er. "Ihm geht's gut. Er kann nur heute nicht telefonieren. Das Telefon ist kaputt."
Ich war erleichtert und habe das mit dem kaputten Telefon sehr naiv erstmal hingenommen. Es war auch schon spät und ich ziemlich müde. Als ich dann heute morgen im Radio von dem getöteten deutschen Soldaten hörte, war es klar. Sperre. Deshalb konnte er gestern Abend nicht anrufen.
Ich atme auf. Ihn hat es verschont. Uns hat es verschont.
Aber ich denke auch an den Soldaten und dessen Angehörige. Dieser Krieg ist nicht weit weg im fernen Afghanistan. Er ist unter uns! Er hat schon wieder einen Menschen aus dem Kreise seiner Lieben gerissen, eine Familie zerstört. Alles Mitgefühl ist bei diesen Menschen. Ich hoffe, sie überstehen diese schwere Zeit.
Tag 75 / 76: Eine Kerze
... für den gefallenen deutschen Soldaten und seine Familie, Freunde und Kameraden.
Eine Kerze für den verletzten deutschen Soldaten und seine Angehörigen. Ich hoffe, er verkraftet das Erlebte - irgendwie.
Eine für die sieben getöteten Amerikaner und ihre Familien.Und eine Kerze für alle Soldaten im Einsatz und ihre Lieben! Hoffentlich kommen alle gesund nach Hause zurück. Besonders unser.
... ein schlimmer Tag ... Ich bin fassungslos.
Freitag, 3. Mai 2013
Tag 74: Dieser Moment
Ein Freitags Ritual.
Ein einzelnes Foto - keine Worte - ein Augenblick, eingefangen in dieser Woche.
Ein einfacher, besonderer, außergewöhnlicher Moment. Ein Moment zum innehalten, genießen und sich erinnern.
Idee: Soule Mama
Donnerstag, 2. Mai 2013
Tag 72 / 73: Wir üben
... Fahrrad fahren!
Die letzten Tage standen bei uns unter dem Motto "Ab auf's Rad und losgeübt!" Nach anfänglichen Schlenkern und Wacklern und kurzen Episoden des Tretens haben wir gestern bereits unsere erste Fahrradtour zu den Großeltern gemacht. Die wohnen ca. 7 Autominuten von uns entfernt, mit dem Rad und mit dem Fahranfänger haben wir gute 30 Minuten gebraucht, in einem sehr gemächlichen Tempo.
Das Trotzköpfchen ist mächtig stolz auf sich, und die Mama noch viel mehr. Mein kleines Mädchen wird unabhängig! Von nun an kann's mit dem Fahrrad zum Kindergarten gehen.
Der Mann in der Ferne ist etwas wehmütig, dass er dieses Ereignis verpasst, aber ich tue mein Bestes, um ihn teilhaben zu lassen. Es werden Videos gedreht und Fotos geschossen, die ich ihm dann zukommen lasse. Natürlich ist das nicht dasselbe, aber immerhin gibt es solche Möglichkeiten, die helfen, dass er an unserem Leben hier teilhaben kann. Das hilft.
Und so sieht das aus, wenn geübt wird.
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