Donnerstag, 28. Februar 2013

Tag 10: Was ist ein FzF?


nachzulesen unter Was ist ein FzF?

"Was ist ein FzF?

Diese Frage hat sicherlich schon viele Menschen beschäftigt, auch die Wissenschaft ist ratlos. Woher dieses FzF kommt und welche Vorfahren es hat, ist bis heute weitgehend unbekannt. Das erste nachgewiesene Auftreten eines FzFs war im Jahr 2000, seitdem vermehren sie sich in ungeahntem Ausmaß quer durch die Republik.

Zu verdanken ist dies wohl den Züchtern Katrin und Jo, die sich liebevoll um die Population bemühen, allerdings auch hart durchgreifen, wenn ein FzF aus der Reihe tanzt.

Gemeinsam ist allen Fzfs, dass sich ein Rudelmitglied, in der Regel das Alpha-Männchen, weit weg vom Rudel befindet und dort mehr oder weniger gefährlichen Aufgaben nachgeht. Das abwesende Rudelmitglied ist entweder sandtarn- oder grüntarngefleckt und zeichnet sich aus durch martialisches Auftreten. Andere Rudelmitglieder gehören der Lätzchenfraktion an und schippern in kleinen Bootchen über das oder unter dem Meer.

Aufgrund der Abwesenheit der Alpha-Männchen kann sich ein FzF nur durch Luftbestäubung und Fernsamenspende vermehren. Ersatzweise findet zu fortgeschrittener Stunde ein heftiges Gruppenknuddeln statt, welches die anwesenden FzFchen aber nicht wirklich zufrieden stellen kann.

Ein FzF ist ein Wesen, welches ebenfalls fast ausschließlich im Rudel anzutreffen ist. Es zeichnet sich aus durch wilde Chatterei, erhöhten Alkoholkonsum - teilweise nur virtuell - und meist durch eine ausgeprägte Nikotinsucht. Auch übermäßiger Lärm und wildes Durcheinander ist ein Anzeichen für ein Rudel FzFs. FZFs verbringen viel Zeit mit dem sinnlosen Rückwärtszählen bis zu einem bestimmten Punkt X. Einige Rudelmitglieder neigen dazu, zu fortgeschrittener Stunde lauthals singend die Nationalhymne zu performen und sich gegenseitig Lorbeerkränze aufs Haupt zu schlagen. Ein FzF-Weibchen ist, obwohl noch nicht ausgesprochen lange an Jahren Mitglied des Rudels, bereits im Greisenalter angelangt. Unklar ist, inwiefern die FzF-Gemeinschaft zum vorzeitigen Altern des Weibchens beigetragen hat oder diesen Prozeß eher verzögert hat. [...]

Das FzF an sich ist ein friedliebendes Wesen, es hat eigentlich nur eine Schwachstelle: Bezeichnet man es mit dem Wort "lieb" oder behauptet gar, dass die Biosphäre der abwesenden Alphamännchen, auch bekannt als BUNDESWEHR, etwas mit Organisation und Planung zu tun habe, wird das ach so possierliche FzF zu einem wolfähnlichen Wesen, welches diesen Vorwurf vehement zu widerlegen versucht.

Auch ist es schon vorgekommen, dass FzFs durch wildes Argumentieren Neulinge vergrault haben, die sich als unbelehrbar erwiesen und immer noch etwas draufzusetzen versuchten...

Um ein FzF in freier Wildbahn zu erleben, sollten Sie sich mit einem internetfähigen PC auf die Suche begeben. Zu finden sind solche FzFs bei frauzufrau-online.de.

Beim ersten Kontakt sollte man Feststellungen wie "600 Frauen fliegen für 8 Wochen nach Kabul, um dort bei ihren Männern Urlaub zu machen!" oder "Kein Soldat muss in den Einsatz, wenn er das nicht will" vermeiden - da sonst die Reaktionen ähnlich ausfallen wie bei Verwendung des Wortes "lieb".

Tritt man einem FzF freundlich gegenüber, erfolgt in der Regel die Aufnahme ins Rudel ohne größere Probleme, der Neuling wird sofort in die Gemeinschaft integriert, freundlich begrüßt und steht ab da unter dem Schutz der Rudelgemeinschaft, die sich fortan liebevoll um den Neuling und seine Seelenlage kümmert, da solches Verhalten in der Natur des FzFs liegt.

Wenn man diese Regeln beachtet, sind die FzFs ein lustiges Völkchen, mit dem man gut auskommen kann." - von sun_shine930

DAS hat mir heute den Tag gerettet. Ich bin ein solches FzF! :) Und stolz drauff!

Mittwoch, 27. Februar 2013

Tag 9: Und plötzlich bricht die Hölle aus!

Der heutige Tag an sich lief eigentlich ganz gut. Keine Schwierigkeiten heute morgen, Aufstehen und Anziehen für den Kindergarten klappte. Danach chillen bei meiner Mama, die Große wieder abholen und nachmittags hatte sie ihre Freundin zum spielen da. Ok, ich war hundemüde, weil ich die Nacht kaum geschlafen hatte, aber es hielt sich in Grenzen. 

Dann wurde die Freundin abgeholt. Die Tür ging zu, und unser Held rief an. Jetzt passierten mehrere Dinge gleichzeitig. Das Trotzköpfchen trotzte plötzlich, weil sie nicht ans Telefom gehen durfte. Die Frechdächsin zerrte zeitgleich am Tischset und goss sich einen vollen Becher Apfelschorle übers Gesicht. Und plötzlich brach die Hölle aus! Gekreische, weil nass bis auf die Windel. Getrotze, weil Mama mit der Kleinen beschäftigt war und nicht auf das erste Trotzen eingehen konnte. Unser Papa am Telefon: "Was ist denn bei euch los?" - "Ich kann grad nicht. Lass uns morgen telefonieren. Tschüß." Ich hörte das Schreien auf der einen Seite, das Heulen von der anderen Seite, sah die riesen Apfelschorlenpfütze auf dem Küchenboden und brach ebenso in Tränen aus. 

Eine Stunde hat dieses Szenario gedauert. Eine Stunde, in der ich zusammengebrochen und wieder aufgestanden bin, die Frechdächsin umgezogen und den Boden gewischt habe. Wir kauerten auf den Fliesen in einer Gruppenumarmung, wir strichen uns die Tränen von den Wangen. Und irgendwann beruhigten wir uns wieder.

Dem Papa haben wir eine SMS geschrieben. Er solle sich keine Sorgen machen, alles souverän gemeistert, keine Katastrophen. Ob das nun stimmt, darüber lässt sich streiten ... Ich bin froh, dass sich diese Hölle vorerst wieder geschlossen hat, und gehe nun erschöpft ins Bett.    

Dienstag, 26. Februar 2013

Tag 8: Die erste Woche

... ohne unseren Soldatenpapa haben wir geschafft! 7 lange Tage sind vorbei. Eine Woche weniger, die es zu bewältigen gilt.

Das schlimme Gefühl von gestern Abend ist gewichen, denn wir konnten gestern noch lange skypen! Und es tat so unwahrscheinlich gut, IHN zu sehen! Ihn endlich zu sehen, als säße er mir gegenüber. Ihn zu hören, als wäre er nur nebenan. Ich muss sagen, im Vergleich zu 2010, als er das letzte Mal im Einsatz war, hat sich einiges getan. Die Verbindung ist um vieles besser!

Das Bild ging an und mir liefen sofort die Tränen über die Wangen. Da war er endlich - MEIN MANN! Wir starrten uns erst nur an, ohne einen Ton zu sagen. Prägten uns jedes Detail am anderen ein. Dann reden und schweigen. Und am Ende machten wir ein Date aus, ein Telefon-Skype-Date. :)

Es hat mir wieder Kraft gegeben. Ich weiß, die nächste Woche schaffen wir auch!

Montag, 25. Februar 2013

Tag 7: Ihr habt euch immer lieb ...

... oder? - Diese Frage kam gerade von unserem Trotzkopf beim Ins-Bett-bringen. Man merkt, es arbeitet in ihrem Kopf, wieso Papa nicht nach Hause kommt. Am naheliegendsten ist es, weil er uns nicht mehr lieb hat ...?

Ich musste schlucken, bevor ich ihr eine Antwort geben konnte. "Natürlich haben wir uns immer lieb." Noch mal eine Erklärung, dass Papa nicht nach Hause kommt, weil er arbeiten muss. Die Situation habe ich, glaub ich, ganz souverän gemeistert. Ruhig geblieben, ihr versichert, dass alles in Ordnung ist und wir bald richtig mit Papa telefonieren können, sie in den Arm genommen und geküsst. Eine "Gute Nacht" gewünscht und den Raum verlassen. 

Nun sitze ich hier, und alles ist still - und leer. Die kleine Angst in meinem Hinterkopf, dass wir uns vielleicht doch nicht immer lieb haben werden, dass der Einsatz etwas zwischen uns verändern könnte, schreit leise auf. Doch im Großen und Ganzen bin ich mir sicher, dass wir alles gut überstehen werden. Es kann nicht anders sein. Trotzdem: Ein dumpfes Dröhnen bleibt ...

Sonntag, 24. Februar 2013

Tag 6: Das erste Wochenende


Das erste Wochenende ohne unseren Soldatenpapa stand an - und ich hatte Angst. Wochenenden - da ist es immer schlimmer mit dem Vermissen. Da ist die Einsamkeit größer. Präsenter. Die Wochenenden sind für die Familie reserviert, für die Väter, für die Kinder. Alle zusammen als kleine Familie. Der Alltag wird ausgesetzt, in den Hintergrund gedrängt.

In meiner Familie fehlt nun ein wichtiger Teil, ein großer Teil. Was also tun an den Samstagen, den Sonntagen, wenn alle anderen sich zusammenrotten und ihre kleine heile Welt genießen? Sich haben, sich lieben, sich zelebrieren. Und man selbst alleine mit den Kindern ...?

Dank einer guten Freundin und Oma und Opa Lasen ging das erste Wochenende ziemlich schnell vorbei ...

Samstag, 23. Februar 2013

Tag 5: Das Bonbonglas

 Ich habe dem Trotzköpfchen ein großes Glas mit Bonbons gefüllt - für jeden Tag, den Papa fort ist, einen Bonbon. Wenn sie vom Kindergarten gekommen ist und Mittag gegessen hat, darf sie sich einen aussuchen. Zum Nachtisch quasi. :) Nun dauert das Aussuchen allerdings sehr, sehr, seeeehr lange, weil ich natürlich verschiedene Bonbons hineingetan habe. So sucht sie sich von jeder Sorte einen aus, legt sie alle in Reih und Glied und überlegt, dreht und wendet. Bis sie den Herzenswunsch gefunden hat. Und Mama schmunzelt bei dem Anblick!

Überhaupt - das Bonbonglas ist bisher (neben den tollen Stickern, aber dazu ein andermal mehr) das allerbeste an der Tatsache, dass Papa so lange nicht nach Hause kommt. 

Und welchen habe ich mir wohl ausgesucht?

Freitag, 22. Februar 2013

Tag 4: Das Begreifen

Gestern am Abend rief der Mann wieder an. Und es tat so unendlich gut, wieder seine Stimme zu hören. Wir haben allerdings nicht viel gesprochen, hauptsächlich konnte das Trotzköpfchen von ihren Erlebnissen der letzten Tage erzählen. Und was war die aufgeregt. Endlich Papa am Telefon! Endlich alles erzählen können! Sie sprach und sprach und sprach. "Papa, ich muss dir noch dieses erzählen ... und jenes ... und Papa, weißt du?! ..." Papa hat natürlich gar nicht alles mitbekommen oder verstanden, aber das machte nichts. Zum Schluss sagte sie: "Papa ich geb dir jetzt noch 4 Fliegeküsse - und dann geb ich dir Mama wieder! Tschüß!"

Hach, wie niedlich. Sie ins Bett zu bekommen war nach der Aufregung allerdings etwas schwieriger. Da erzählte sie noch lange und war so selig, endlich mit ihrem Papa sprechen zu können. 

Als ich dann alleine auf der Couch saß, kam es, das Begreifen. Es brach unvermittelt über mich herein. Er ist nicht auf Lehrgang. Er kommt nicht in den nächsten Wochen wieder nach Hause. Nichts abends, nicht am Wochenende. Er ist tausende von Kilometern entfernt und bleibt Wochen und Monate fort. Einfach so. Weil er muss. Und ich fragte mich, wie ich die vielen Stunden und Tage, Wochen und Monate ohne ihn meistern sollte. Und ich schob diese Gedanken wieder beiseite.
                                                                                        
                                                               http://galerie.designnation.de
Für Tiefs ist es noch eindeutig zu früh! 
Denn "ich trage Dein Herz bei mir
ich trage es in meinem Herzen

nie bin ich ohne es
wohin ich auch gehe [...]
 

hier ist das tiefste Geheimnis um das keiner weiß
hier ist die Wurzel der Wurzel
und die Knospe der Knospe
und der Himmel des Himmels
eines Baumes Namens Leben                            

der höher wächst als unsere Seele hoffen
unser Geist verstecken kann

das ist das Wunder
das den Himmel zusammen hält

ich trage Dein Herz
ich trage es in meinem Herzen."


- E.E. Cummings: Ich trage dein Herz